Der Verein Bintumani e.V. fördert ein Krankenhaus und die Nutzung erneuerbarer Energien in Sierra Leone. Die International Christian Revival Church ermöglicht Kindern den Schulbesuch in Ghana und die African Women and Youth Organization bildet Frauen und Jugendliche aus, ihre Nachbarschaften zu prägen und weiterentwickeln. Drei Beispiele von vielen, die deutlich machen: Migrationskirchen und ihre Mitglieder sind international und entwicklungspolitisch enorm aktiv.

Auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen Formen initiieren und unterstützen Migrationskirchen und ihre Mitglieder Entwicklungsvorhaben in ihren Heimatländern. Durch Migrantinnen und Migranten fließt mehr Geld in die jeweiligen Heimatländer zurück, als es aufgrund der Etats der institutionellen Entwicklungszusammenarbeit der Fall ist: „440 Milliarden Dollar – so viel überweisen Migranten aus Entwicklungsländern jedes Jahr in ihre Heimat, das Dreifache der gesamten staatlichen Entwicklungshilfe.“ (Süddt. Zeitung, 26.02.2016) Diese Zahl bezieht sich nicht direkt auf Europa, sondern ist weltweit gerechnet – dennoch zeigen diese Finanzströme deutlich, dass Migration Auswirkungen auf die Herkunftsländer hat.

Dieses Engagement wird derzeit in Deutschland kaum öffentlich wahrgenommen und wurde bisher noch nicht systematisch ausgewertet – es ist aber anzunehmen, dass es sich dabei häufig um passgenaue Projekte handelt, weil die Mitglieder von Migrationskirchen die Kontexte, in denen sie agieren, genau kennen und vielseitige Verbindungen in sie hinein pflegen. Als Grenzgänger zwischen Herkunfts- und Aufnahmeländern sind sie besonders gut dazu geeignet, starke Brücken zu bilden zwischen Kulturen und zwischen Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Die Kenntnisse und Fähigkeiten, die sie aufgrund ihrer Migration erworben haben, machen sie zu Experten für die interkulturelle Vermittlung von vielfältigen Ressourcen.

Fehleinschätzungen und Fehlplanungen, die aufgrund kultureller und sprachlicher Barrieren in der offiziellen Entwicklungszusammenarbeit immer wieder vorkommen und die ihre Wirksamkeit einschränken, sind in der von Migranten getragenen Sozialarbeit in Ländern des globalen Südens aufgrund deren Innensicht weit weniger zu erwarten. Dieses informelle entwicklungspolitische Engagement ergänzt und erweitert somit das Gesamtpaket der internationalen Entwicklungszusammenarbeit mit entscheidenden Akzenten.

Migrationskirchen irritieren stereotype „Dritte-Welt-Bilder“ in deutschen und europäischen Köpfen: Christliche Migrantinnen und Migranten aus sogenannten „Entwicklungsländern“ treten meist weder als notleidende Bittsteller noch als Objekte diakonischer Zuwendung auf, sondern sind selbstbewusste Christinnen und Christen mit einer starken Motivation, ihren Glauben in Wort und Tat weiterzugeben.

Sie sehen es als ihre zentrale Berufung an, diese Welt im Sinne des Evangeliums mitzugestalten – dazu gehört diakonische und missionarische Arbeit im jetzigen Lebensumfeld genauso wie gelebte Mitverantwortung im Kampf gegen Armut und Bedrohung durch Gewalt in den Ländern, aus denen sie aufgebrochen sind.

Die verstärkte öffentliche Wahrnehmung ihres aktiven Beitrags zu mehr globaler Gerechtigkeit ist wichtig, um einseitige Bilder von Bedürftigkeit und Abhängigkeit zu korrigieren und um ökumenische Beziehungen zwischen Christen aus allen Kontinenten immer mehr im Sinne eines wechselseitigen Gebens und Nehmens zu gestalten: „Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.“ (1. Petrus 4, 10)

Die kulturübergreifende und international verbindende Lebensweise der Migrationskirchen ist ihre besondere Gabe, die sie für das Ganze des Leibes Christi und dieser Welt fruchtbar machen.

Und hier wird es konkret:
Drei Verantwortliche aus Migrationsgemeinden berichten von dem Engagement ihrer Gemeinden und Gemeindeglieder im entwicklungspolitischen Bereich.

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